Springe zum Inhalt

Gehst du bitte von deiner Schwester runter? JETZT!

Ich muss zunächst mal sagen, dass meine Kinder sich zu ganz großartigen Kindern entwickeln und ich sehr stolz bin. Ich sage das Beiden auch ständig jeden Tag. Das möchte ich vorweg schicken, um keinen falschen Eindruck zu erwecken. Jetzt denkt sicher jeder, oje, wenn sie so anfängt, dann heißt das nix Gutes. Naja, so drastisch ist es sicher nicht wie sich die Einleitung liest und vermuten lässt, aber so ganz unproblematisch ist es zur Zeit bei uns im Haus nicht.

Bevor ich darauf näher eingehe, möchte ich aber auch sagen, dass viele Probleme, die uns die letzten Monate beschäftigen, keine Probleme mehr sind. Wie ich im letzten Blogeintrag schon geschrieben habe, ist der Kindergarten ein wahrer Glücksgriff gewesen. Anni spricht viel besser als noch vor einem halben Jahr (sie verwendet sogar den Genitiv, ich habe vor stolz und Rührung etwas geweint muss ich zugeben), sie ist überhaupt nicht mehr anhänglich und geht ohne Probleme alleine in den Kindergarten, ins Kinderturnen und Schwimmen. Im Gegenteil, sie freut sich drauf und möchte jetzt unbedingt auch noch ins Tanzen. (Das macht mich jetzt auch ein bisschen traurig, da mein Baby einfach so ihrer eigenen Weg und mich scheinbar gar nicht mehr braucht, aber mir kann man es auch nie recht machen;) ) Ich bin ja außerdem der Meinung, dass das alles viel zu viel ist, aber sie macht das alles mit so viel Freude und Energie, dass es toll ist, sie dabei zu beobachten. Auch das Thema Trocken werden und Stinki in die Toilette machen ist kein Thema mehr. Es klappt alles wirklich hervorragend. Sie sagt an, wenn sie muss und dann geht sie auf die Toilette. Manchmal soll ich mit, manchmal nicht. Ich bin tatsächlich sehr erleichtert. Offenbar gingen unsere Taktiken wirklich auf. Wir gaben ihr jede Rückversicherung die sie brauchte (und vielleicht auch immer mal wieder braucht) und behielten die Ruhe. Wir machten einfach so wenig wie möglich Aufstand um das alles und so haben wir diese Hürde auch genommen. Das können wir Eltern guten Gewissens mit auf den Weg geben, die in ähnlichen Problemen mit ihren Kindern stecken.

Auch Ella entwickelt sich prächtig. Sie macht riesige Fortschritte, steht jetzt frei ohne Festhalten und fängt immer mehr an zu kommunizieren. Sie lacht den ganzen Tag und isst wie verrückt. Von daher kann ich mich so glücklich schätzen, dass ich zwei so großartige Mädchen meine Kinder nennen darf.

Doch: Es gibt ein ABER! Es gibt immer ein Aber... Wenn man eine Hürde genommen hat, dann wartet schon die Nächste... Und meistens ist die Neue noch größer als die Vergangene. Jetzt stehen wir vor dem Problem, dass Anni immer wieder mit Ella "spielt". Das klingt im ersten Moment sehr schön. Ist es auch. Leider versteht Anni unter spielen etwas anderes als ihre Eltern. Ella wird so fest umarmt, dass dem Kind die Luft wegbleibt. Ella wird über den Boden gerollt. Ella wird das Spielzeug aus der Hand gerissen. Ella wird das Buch auf den Kopf gehauen.

Jetzt sagt der besorgte Leser sicher empört: Das arme Kind! Wie kann denn diese Mutter nebendran stehen und sich das mit anschauen. Ich kann versichern, das tue ich nicht! Wir alle nicht. Jeder springt dazwischen und versucht, Ella zu beschützen. Jetzt klingt das brutal. Ich bin mir aber gar nicht so sicher, ob es das tatsächlich ist. Klar, manchmal überschreitet Anni eine Grenze. Aber ich glaube inzwischen, dass in vielen Situationen Ella gar keine Hilfe braucht oder auch will. Denn sie lacht, wenn Anni sich mit ihr beschäftigt - auch wenn es ein grobes Beschäftigen ist. Sie sucht auch immer wieder ihre Nähe. Trenne ich die Zwei und Anni gibt endlich nach und spielt alleine, dann krabbelt Ella zu ihr hin und stürzt sich auf sie. Hole ich sie weg, dann schimpft sie regelrecht mit mir! Ich denke mir dann immer, das ist also der Dank, dass ich dafür sorge, dass du wieder Luft bekommst! Bitte schön!

Was soll man da machen? Wo ziehe ich die Grenze? Was ist ok und was nicht mehr? Wann schreite ich ein? Ich weiß es manchmal echt nicht. Ich freue mich immer, wenn ich sehe, dass die zwei was zusammen machen. Manchmal gibt Anni Ella was zu essen, manchmal sogar schon umgekehrt. Es gibt Momente, da streicheln sie sich gegenseitig. Dann kopieren sie sich. Anni krabbelt mit Ella, Ella imitiert die Stimme ihrer großen Schwester. Das ist soooo süß. Da könnte ich fast weinen. Doch dann kippt die Situation und Anni stößt Ella einfach weg, sie fällt um und weint. Klar, Anni ist 3,5 Jahre. Ella ist 1 Jahr. Sie verstehen noch nicht, was es heißt, einem anderen Menschen weh zu tun. Natürlich rede ich mit beiden und erkläre es ihnen. Ich gehe ja nicht einfach hirnlos dazwischen und brülle rum wie die Axt im Walde. Doch manchmal bin ich schon laut und mache deutlich, dass es so nicht geht. Vor allem, wenn ich es in den vergangenen 3 Stunden 10 Mal gesagt habe, dass es so nicht geht und dass sie aufeinander aufpassen sollen und sich nicht weh tun. Es gab auch schon Strafen für Anni, damit sie auch merkt, dass es so nicht geht.

Leider habe ich zwei durchaus willensstarke Kinder. Und damit sind wir nicht mehr nur bei dem Thema "Geschwisterumgang", sondern auch mitten in der Trotzphase. Wobei ich den Begriff gar nicht mag, denn diese Phase ist ja nun mal wichtig für die Charakterbildung und Trotzphase klingt so negativ. Natürlich ist das eine sehr schwierige Phase für alle Beteiligten (inklusive dem Kind), aber eben auch notwendig. Anni reizt diese Phase gerne bis zum Äußersten aus. Sie hinterfragt jede Regel, die wir aufstellen und dann ist eben Konsequenz gefragt. Die berühmte Situation "Schreiendes Kind auf Supermarktparkplatz"? Das kennen wir zur Genüge. Sobald etwas nicht so läuft wie sie sich das vorstellt, dann probiert sie alles, um doch noch ihren Willen zu bekommen. Deshalb haben mein Mann und ich klare Regeln aufgestellt und wenn sie sich nicht daran hält, hat das eben Konsequenzen. Dann ist eben die Lieblingstoniefigur weg oder es gibt kein Sandmännchen zum einschlafen... Das tut mir meistens soooo leid, weil ich es hasse, sie zu bestrafen, aber es ist leider auch der einzige Weg ihr klarzumachen, dass es nun mal Regeln gibt, an die wir uns alle halten. Das gilt ja auch für mich und meinen Mann. Ich erkläre ihr ja auch immer, dass die Regeln nicht sinnfrei sind, aber das interessiert sie leider häufig nicht... Wobei ich auch sagen muss, die Konsequenz hat sich bereits ausgezahlt. Sie ist schon viel zugänglicher wenn es um Regeln geht. Es klappt zwar nicht immer, aber es wird besser.

Doch: So langsam fängt auch die Kleine an, Grenzen zu testen. Sie schmeißt Essen bewusst auf den Boden, um zu testen, ob es wieder "hochkommt", sie grapscht an den Fernseher oder die Spülmaschine, blickt sich um und wartet, ob etwas passiert. Und auch nach dem dritten NEIN! gibt sie nicht auf - wie ihre Schwester. Möglicherweise sind auch einfach alle Kinder so, aber ich habe auch Kinder im Umfeld, die nicht unbedingt jede Entscheidung der Eltern auf den Prüfstand stellen und auch mal nachgeben. Nachgeben ist ein Wort, das im Wortschatz meiner Töchter nicht vorkommt.

So, und jetzt nimmt man diese Erkenntnisse zum Thema Trotzphase und koppelt sie mit der Problematik Geschwisterumgang. Und dann kommt ein netter Cocktail raus, der jeden in ihrem Umfeld zur Verzweiflung treibt. Im Moment kann ich die Zwei nicht zusammen zur Oma geben. Das ist der armen Frau aktuell nicht zuzumuten. Man ist eigentlich nur am Schimpfen, denn eine von beiden hat immer Umfug im Kopf. Manchmal sogar beide gleichzeitig.

Und was tue ich jetzt? Ich genieße, dass ich wieder arbeite, da ich dort mehr (akustische) Ruhe habe als Zuhause. Ich versuche die Ruhe zu bewahren und baue drauf, dass sie sich nicht gegenseitig umbringen. Und dann hoffe ich abschließend, dass sie nicht so schnell kapieren, dass wenn sie sich zusammenschließen, sie gegen mich in der Überzahl sind. Denn wenn sie sich tatsächlich verbünden muss ich mich warm anziehen - auch wenn ich mir dann jedenfalls keine Sorgen mehr um ihre Gesundheit machen muss, wenn sie zu grob spielen 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen