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Ein Dank an unsere Hebammen – warum sie so wichtig sind

Ihr Hebammen, ihr braucht wirklich starke Nerven! Ihr erlebt Familien in absoluten Ausnahmesituationen. Ihr begleitet Frauen durch 40 Wochen Schwangerschaft, bereitet sie auf die Geburt vor, sprecht mit ihnen über Ängste, Wünsche, Träume. Ihr seid Vertraute, beste Freundin, Ratgeber. Ihr seid medizinisch hervorragend ausgebildet, ihr macht Akupunktur, ihr kennt euch mit Naturheilkunde aus, ihr moxt, ihr schreibt und wertet CTG aus. Ihr begleitet Frauen in ihren extremsten Momenten, ihr unterstützt bei der Geburt, ihr habt wirklich einen körperlich anstrengenden Job. Ihr arbeitet im Schichtdienst und auch nach der Geburt seit ihr ein Jahr an der Seite der Familie. Ihr helft beim Stillen, ihr wiegt, kontrolliert, macht Rückbildung und habt für die schwierige Zeit am Anfang immer viele Ratschläge. Ohne euch wäre das Leben für Mütter und Väter deutlich schwieriger. Ihr gebt uns Sicherheit und ihr seid immer da. Und das alles ist nur ein kleiner Teil dessen, was ihr Hebammen täglich leistet.

Ich hatte das Glück, bei allen drei Schwangerschaften und Geburten großartige Hebammen an meiner Seite zu haben. Bereits in der ersten Schwangerschaft lernte ich meine Vorsorge-/Nachsorgehebamme kennen, die jahrelang an meiner Seite war und auch heute noch ist. Eine wunderbare Frau, die uns durch die schwierigste Zeit meines Lebens begleitete. Sie hat schon bei Mattis Schwangerschaft alles versucht, meine Migräne zu lindern. Als klar war, dass ich meinen Sohn verloren habe, war sie eine der ersten, denen ich Bescheid sagte... Ich wusste, ich werde sie brauchen sobald ich die Geburt überstanden habe. Wenn ich Zuhause bin und ich das Gefühl habe, ich werde das alles vor Trauer nicht überleben.

Matti kam im Mannheimer Klinikum zur Welt. Ich habe mir dieses Krankenhaus nicht ausgesucht. Eigentlich wollte ich in einem kleineren Krankenhaus in Heidelberg entbinden. Doch als Matti starb hatte ich keine Wahl. Der Rettungswagen brachte mich einfach dahin. Und ich bin so dankbar dafür. Ich hätte mir kein besseres Umfeld vorstellen können. Von Anfang an wurden wir warmherzig und liebevoll empfangen. In dem Film über die stille Geburt ( https://www.irgendwasisthaltimmer.blog/2019/06/14/reden-hilft-wir-erzaehlen-unsere-geschichte-im-tv/ ) könnt ihr Valentina sehen. Mein Mann war vor mir im Krankenhaus. Er saß hilflos da und Valentina hat mit ihm geredet. Sie hat ihn vorbereitet. Und als ich schließlich kam war sie auch für mich da. Sie redete nicht viel, aber was sie sagte, brachte alles auf den Punkt. Sie erklärte mir, warum es wichtig ist, dass Matti natürlich entbunden wird. Es klingt für die meisten Ohren ziemlich brutal was da von Frauen wie mir verlangt wird. Doch es ist richtig und dank Valentina habe ich es verstanden. Es geht darum, das Kind bewusst loszulassen. Es geht um Verarbeitung und auch einen würdevollen Abschied für das Kind. Außerdem sollte man nach einem Kaiserschnitt nicht gleich wieder schwanger werden und man möchte der Mutter die Narbe ersparen, die danach den Körper auf ewig zeichnet. Die Narbe in der Seele reicht. Es sind viele Faktoren, die für eine natürliche Geburt sprechen und ich bin sehr dankbar, dass ich eine Hebamme hatte, die sie mir erklärt hat. Die mir Stärke, aber auch Empathie entgegenbrachte. Eine Bessere als Valentina könnte ich mir in diesem Moment nicht vorstellen. Und das gilt auch für alle andere Hebammen im Klinikum.

Die Einleitung dauerte von Freitag Mittag bis Montag Mittag. Eine verdammt lange Zeit... Und die Hebammen schauten immer, dass wir gut betreut waren. Das fing zum Beispiel damit an, dass wir einen separaten Raum im Kreißsaalbereich nur für uns bekamen, der abseits von den anderen Kreißsälen war, um uns etwas von den anderen Geburten fernzuhalten. Außerdem waren insgesamt nur vier Hebammen für uns zuständig, die sich im Schichtdienst abwechselten. Und egal wie viel draußen los war, wenn etwas war, dann hatten sie immer Zeit und viel Liebe für uns. Meine Eltern und Schwiegereltern durften immer kommen (im Kreißsaal normalerweise nicht gestattet) und bekamen sogar den Kaffee aus der guten Kaffeemaschine. Eine Hebamme sagte zu uns: "Glaubt nicht, dass ihr uns nicht berührt. Wenn wir heimgehen zu unseren Familien nehmen wir euch immer mit." Es war so rührend zu erleben, wie geborgen wir waren - trotz unserer Trauer. Der Kontakt besteht übrigens teilweise immer noch - eine der Hebammen haben wir gerade besucht und der Gegenbesuch steht schon im Kalender 🙂 Das alles hat uns zusammengeschweißt und verbunden.

An dieser Stelle muss ich aber auch danke an die Oberärzte (eine ganz besonders, die mich durch zwei weitere Schwangerschaften großartig begleitet hat, die liebe Frau Dr. Otto) und auch an Pfarrerin Dr. Hartlieb, die ewig auf die Geburt gewartet hat - obwohl sie gar keinen Dienst mehr hatte - und Matti noch gesegnet hat. Als ich Freitags ins Krankenhaus kam, wurde auch umgehend eine Psychologin hinzugezogen, die ebenfalls großartig war. Auch an diese Menschen, danke!

Die Geburt von Matti war etwas ganz außergewöhnliches und das schlimmste und schönste, das man sich vorstellen kann. Und es war etwas würdevolles, da uns Valentina und ihre Kolleginnen so gut es ging darauf vorbereitet haben.

Da ich bei meinen weiteren Schwangerschaften ab der 20. Schwangerschaftswoche in der Ambulanz paralell zum Frauenarzt regelmäßig kontrolliert wurde, war klar, dass meine beiden Mädels auch im Klinikum zur Welt kommen sollen. Da ich furchtbare Angst hatte, durfte ich bereits in der 37. bzw. in der 38. SSW zur Einleitung kommen. Und auch durch diese Zeit begleiteten uns großartige Hebammen. Zur Geburt von Anni hatten tatsächlich Dr. Otto und Valentina Dienst (die beide auch Matti auf die Welt brachten) und so konnten wir alle am Ende sagen: Wir erlebten alle gemeinsam den traurigsten und schönsten Moment. Eine sehr stille und sehr laute Geburt!

Und bei Ella hatte eine der Hebammen Dienst, die uns in der Einleitungsphase von Matti bereits betreut hat. Bei der großen Anzahl an Hebammen im Klinikum ist es ein Wunder, dass wir immer wieder die gleichen vertrauten Gesichter um uns hatten - aber so war es eben. Und es waren durchweg wundervolle Frauen! Sie badeten, massierten, redeten, und und und. Und sowohl bei Anni als auch bei Ella weiß ich, dass die Schicht bei beiden Hebammen bereits rum war und sie trotzdem bis zum Ende blieben. Ich weiß gar nicht wie ich mich dafür je bedanken kann.

Und auch unsere Hebamme Zuhause war unglaublich. Nach Mattis Geburt sagte sie unter anderem: Rückbildung machen wir hier bei dir Zuhause! Du gehst ganz sicher in keinen Kurs, bei dem die Mütter die ganze Zeit über ihren Schlafmangel klagen. Und das machte sie auch wahr. Sie brachte von ihren privaten Sachen alles mögliche mit und dann turnte ich daheim. Stundenlang saß sie bei uns und redete mit uns. Wegen ihr schrieb ich den Brief an Matti, den ich meinem letzten Eintrag veröffentlichte: https://www.irgendwasisthaltimmer.blog/2019/06/23/ein-abschiedsbrief/ Und auch sie sehe ich heute immer noch - wir treffen uns regelmäßig im Sport und sie ist nach wie vor eine Ratgeberin, wenn ich bei meinen Kindern nicht mehr weiter weiß 😉

Es bricht mir das Herz zu sehen, wie Hebammen immer wieder um Akzeptanz kämpfen müssen. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass bei jeder Geburt eine Hebamme dabei sein muss - ein Arzt nicht. Ich will nicht sagen, dass ein Arzt nicht auch eine Berechtigung hat. Aber wenn eine Geburt ohne Komplikationen verläuft, dann braucht eine Mutter keinen Arzt sondern eine gute und erfahrene Hebamme. Und jede Frau sollte das Recht haben frei zu wählen, ob sie Zuhause, in einem Geburtshaus oder in einem Krankenhaus entbindet. Durch wahnsinnig hohe Versicherungsbeiträge wird diese Wahl defacto außer Kraft gesetzt. Auch die Schließung kleinerer Entbindungsstationen in Krankenhäusern schränkt die Wahlfreiheit enorm ein. Große Kliniken mit Kinderkrankenhäusern sind sehr wichtig, zum Beispiel für Frauen wie mich, für die Geburten nicht einfach sind. Aber das gilt ja nicht für alle Frauen. Und die, die eine normale Geburt erwarten, sollten auch das Recht haben, nicht in ein so großes Haus wie das Klinikum fahren zu müssen.

Noch dazu kommt, dass es Metropolregionen gibt, in denen es tatsächlich an einer optimalen Versorgung an Hebammen mangelt. Nürnberg zum Beispiel. Ich kenne einen Fall, da ist der Entbindungstermin Mitte Dezember und sie findet keine Hebamme für die Nachsorge, da alle im Urlaub sind. Und wenn die Nachsorge nicht übernommen wird, dann nehmen sie die Frauen auch nicht für die Geburtsvorbereitung. Toll! Die Mutter hat sich jetzt eine Doula gesucht, die sie wenigstens mental unterstützt! Ich finde, das ist ein unglaublicher Skandal!

Ich möchte an dieser Stelle eindringlich dazu aufrufen, die Arbeitsbedingungen und Wertschätzung der Hebammen deutlich zu verbessern. Aus eigener Erfahrung weiß ich, was diese Frauen (auch auch Männer) leisten, und das muss in unserer Gesellschaft mehr Achtung verdienen 🙂

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