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Wer ist mein Kind? Mit drei Jahren ist auf einmal alles anders

Ich habe mir jahrelang eingebildet, dass ich meine Tochter gut kenne und einschätzen kann. Seitdem ein paar Wochen ist das definitiv nicht mehr so. Sie macht Dinge, von denen ich dachte, sie macht das nie und auch umgekehrt ist das oft der Fall.

Nehmen wir das Beispiel "Klammern". Mein Kind hat nie geklammert. Ich habe da bereits drüber geschrieben:

https://www.irgendwasisthaltimmer.blog/2019/05/03/da-haengt-ein-kind-an-meinem-bein-ein-selbststaendiges-maedchen-wird-auf-einmal-zum-mama-kind/

Doch jetzt geht ohne Mami und Papi nichts mehr. Seit diesem Artikel hat sich die Situation nur wenig verändert. Sie fremdelt auch zunehmend. Bestimmten Menschen, zum Beispiel ihrem Patenonkel, ist sie noch vor zwei Monaten freudestrahlend um den Hals gefallen, heute ist das eher schwierig. Erst nach einer langen Aufwärmphase öffnet sie sich etwas. Wobei Männlich oder Weiblich keinen Unterschied macht. Sogar die Oma, die im Haus wohnt, wird angezweifelt.

Ich glaube inzwischen, dass da zwei große Ursachen für ihr Verhalten sind. Erstens ihre kleine Schwester. Sie war nie eifersüchtig. Im Gegenteil. Sie hat sich immer rührend um sie gekümmert. Außerdem hat sie sich gewünscht, mit Ella zusammen in einem Zimmer zu schlafen. Ich denke, das ist durchaus positiv zu bewerten. Doch wahrscheinlich äußert sich die Rivalität über das "Klammern". Wir versuchen natürlich alles, um beiden Kindern gleichmäßig gerecht zu werden. Doch jede Mutter kennt das! Du kannst dich nicht zweiteilen. Man muss abwägen, wer jetzt dringender Hilfe und Unterstützung braucht. Und dann triffst du eine Entscheidung. Natürlich muss die Große Aufmerksamkeit teilen. Vor allem seitdem die Kleine immer mobiler wird und immer aktiver am Familienleben teilnimmt.

Vielleicht ist die Anhänglichkeit einfach ein Signal, das sagen soll: Mami, Papi? Habt ihr mich auch noch lieb? Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es durchaus wahrscheinlich ist. Und was mache ich? Ich versuche ihr so viel Sicherheit wie möglich zu geben und ihr immer zu bestätigen, dass ich sie natürlich noch genauso liebe wie vor der Geburt ihrer Schwester. Ich hoffe, auf diesem Weg, ihr wieder das Vertrauen zu geben, das sie sich auch wieder ruhigen Gewissens von uns entfernen kann. Denn sie weiß, wir sind auf jeden Fall da - egal was passiert.

Eine zweite Ursache könnte sein, dass sie nie eine "Fremdelphase" hatte. Das gab es bei ihr einfach nicht. Meistens kommt die ja so mit 10-12 Monaten. Aber das war nie ein Thema. Möglicherweise holt sie das jetzt nach?!

Und dann muss ich einen Punkt aus dem letzten Artikel kurz wiederholen: Es ist auch einfach viel in diesem Alter. Es ist komisch, aber mit drei Jahren erwarten auf einmal alle, dass das Kind alleine klar kommen muss... Kinderturnen, Schwimmen, Kindergarten... Wir machen es jetzt so, dass wir sie ins Kinderturnen weiterhin begleiten bis sie soweit ist loszulassen und alleine in der Stunde mitzumachen. Den Wechsel in die nächste Schwimmgruppe habe ich abgeblasen und auf nach den Sommerferien verlegt.

Und: Heute war ihr erster Kindergarten-Tag 🙂 Es war nur eine Stunde und ich war dabei. Aber es ist schon ein großer Schritt. Sie hat das super gemacht und nach einer kurzen Phase hat sie sich von mir gelöst und hat mit ihrer Bezugserzieherin gespielt. Sie war auch echt sauer als wir nach einer Stunde gehen mussten. Ich bin gespannt, wie sie sich in den kommenden Tagen schlägt - vor allem, wenn ich nicht mehr im Raum sitze... Aber wir gehen ihr Tempo und ich denke, dann werden wir das schon schaffen 😉

Dazu kommt außerdem, dass sie einen großen Entwicklungsschritt gemacht hat. Sie spricht viel besser und sie schafft Dinge, die sie vor acht Wochen noch nicht schaffte, zum Beispiel Spiele oder Puzzle. Ich glaube, das muss ein Kind auch verarbeiten und das macht vielleicht auch ein bisschen Angst. Da sucht sie die Sicherheit in ihren Bezugspersonen und das sind natürlich wir als Eltern.

Ich bin jetzt mal gespannt, wie das alles weitergeht. Im Moment kommt noch hinzu, dass sie oft auch Grenzen austestet. Das hat sie zwar schon immer getan, aber man hat durch die kognitive Weiterentwicklung zumindest eine Chance sie von anderen Meinungen zu überzeugen. Wobei das auch nicht immer funktioniert 😉 Fragt mal meinen Zahnarzt, der keine Chance hatte, auch nur eine Sekunde in ihren Mund zu schauen...

Aber gut, sie ist eine starke Persönlichkeit und da ist es nun mal so, dass man logischen Argumenten nicht immer zugetan ist. Ich bin einfach froh, wenn sie jetzt gut im Kindergarten ankommt und der Rest wird sich auch ergeben. Eine Baustelle nach der anderen 😉

Zu den Baustellen gehört nach wie vor auch das Thema "Trocken werden". Auch darüber habe ich schon berichtet:

https://www.irgendwasisthaltimmer.blog/2019/05/09/das-kind-wird-trocken/

Was ist seitdem passiert? Gar nichts 😉 Im Gegenteil! Nach drei Tagen war alles wieder vorbei. Sie will keine Unterhose mehr tragen und geht ab und an aufs Töpfchen. Das wars. Ich vermute, dass ihr das zu nervig ist 😉 Ständig aufs Klo zu gehen ist ihr im Moment offenbar einfach zu anstrengend... Sie hatte es tatsächlich geschafft, dass ihre Windel 48 Stunden trocken blieb! Ich habe das schon total gefeiert, aber ich habe mich offenbar zu früh gefreut...

Möglicherweise steht das alles aber in Zusammenhang miteinander. Das trocken werden ist auch ein großer Schritt. Vielleicht ist sie körperlich bereit dazu, aber im Kopf noch nicht. Ich baue ja auf den Kindergarten. Vielleicht animiert sie das, sich das noch mal zu überlegen 😉

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