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Da hängt ein Kind an meinem Bein – ein selbstständiges Mädchen wird auf einmal zum Mama-Kind

Tja, genau das passiert bei uns aktuell. Meine große Tochter war sehr selten anhänglich. Nur wenn sie krank war oder sehr müde. Doch auf einmal wird es zum Thema bei uns. Sie geht inzwischen alleine ins Kinderturnen. War nie ein Problem. Doch jetzt schon. Sie weint so herzzereißend wenn ich sie an der Tür abgebe, dass es unmöglich ist sie dort zu lassen. Ich erkenne mein Kind nicht mehr. Was ist aus meinem Mädchen geworden? Sie war immer so tough und stark, auf einmal hängt sie an meinem Bein und will ohne mich keine Sekunde mehr sein.

Das Interessante ist, dass es nicht in allen Situationen der Fall ist. In die Kinderbetreuung geht sie zwar deutlich vorsichtiger als gewöhnlich, aber sie bleibt dort ohne zu weinen. Und nicht nur das, sie fühlt sich wohl. Zur Oma geht sie ebenfalls ohne Probleme. Sind wir irgendwo unterwegs, sucht sie mich allerdings deutlich häufiger als früher. Das ist neu und sie entfernt sich auch nicht so weit. Das hat natürlich auf Vorteile 😉 Sie bleibt viel leichter in meiner Nähe und ich muss sie nicht ständig suchen... Kinderturnen ist am schlimmsten. Warum auch immer...

Sie kennt dort die Trainerin und auch die Umgebung ist nicht fremd. Dennoch fühlt sie sich auf einmal überhaupt nicht mehr wohl. Ich kann nicht erkennen warum. Es ist nichts vorgefallen, dass das erklären könnte. Sie sagt, die anderen Kinder würden ihr Angst machen. Warum kann sie nicht sagen... Ich weiss nicht, wie ich damit umgehen soll. Niemand weiß oder kann erkennen, warum sie Angst hat. Vielleicht weiß sie es selbst nicht genau.

Mit drei Jahren passiert einfach so viel. Sie geht seit dem Geburtstag alleine ins Turnen. Sie verlässt bald das "Zwergenstübchen", einen kleinen Verein, in dem sie drei Vormittage in der Woche mit anderen Kindern (ohne Eltern) unter Aufsicht spielt, und geht bald in den Kindergarten. Im Kinderschwimmen gehen die Eltern auch bald nicht mehr mit. Das sind schon sehr viele Veränderungen. Dann bekam sie im vergangenen Sommer eine kleine Schwester. Dazu kommt, dass sie in meinen Augen einen großen Entwicklungsschritt gemacht hat. Sie spricht viel besser, wird auf dem Spielplatz immer mutiger und traut sich mehr. Man spürt einfach, dass in diesem Kind sehr viel passiert. Vielleicht macht ihr das auch Angst?

Vielleicht ist drei Jahre einfach eine Art Grenze. Wenn das Kind diese überschreitet, dann beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Nach dem ersten Lebensjahr war das auch so eine Grenze, nach der sie einen großen Sprung in ganz vielen Dingen machte. Und mit drei Jahren hat sie offenbar die nächste Hürde genommen. Und das macht ihr sicher Angst. Es wird jetzt viel Selbstständigkeit von ihr erwartet. Und die Mama ist jetzt nicht immer an ihrer Seite um ihr den Rücken freizuhalten. Ich kann mir vorstellen, dass das viel Unsicherheit verursacht und sie vielleicht auch aus dem Gleichgewicht bringt.

Am Anfang habe ich das noch abgetan - ein Fehler, wie ich jetzt weiß. Ich habe sie versucht zu "überzeugen". "Jetzt bleibe doch da", "es war doch nie ein Problem" und so einen Quatsch habe ich geredet. Ich habe mein Mädchen einfach nicht verstanden. Ich war selbst verunsichert. Doch ich habe jetzt verstanden, dass sie meine Rückversicherung braucht. Sobald sie unsicher ist, bleibe ich bei ihr und gebe ihr das Gefühl da zu sein.

Ich spreche auch sehr viel mit ihr darüber. Vielleicht gab es ja tatsächlich einen Auslöser. Und vielleicht komme ich ja doch noch dahinter, was ihre Ängste auslöst. Für den Fall das nicht, möchte ich aber, dass sie sich verstanden und geborgen fühlt. Wir schmusen so oft es geht und ich erzähle ihr immer, dass wir alle - ihr Papa, ihre Mama, ihre Schwester - für immer verbunden sind. Egal was passiert und wo wird sind, gibt es ein Problem sind wir sofort da. Sie darf auch immer einen Gegenstand mitnehmen, der ihr etwas bedeutet und der sie an uns erinnert. Ein Kuscheltier oder ein Spielzeug.

Außerdem versuche ich Power rauszunehmen. Ich achte ganz verstärkt darauf, dass sie ausreichend Schlaf bekommt und wir die Anzahl stressiger Tage so gering wie möglich halten. Auch für mich. Ich denke, wenn das Kind eine entspannte, gut gelaunte Mutter hat, dann überträgt sich das auf sie.

Ich hoffe, ich kann ihr durch Liebe, Vertrauen und Nestwärme außerdem das Urvertrauen vermitteln, dass sie im Leben braucht. Sie soll einfach immer wissen, dass wir da sind und egal wo sie ist und was passiert ist, dass ihr Zuhause immer da sein wird. Ich bin gespannt, ob meine Art damit umzugehen, meiner Tochter hilft, sich in ihrem Leben zurecht zu finden und dass sie Spaß am Sport und im Kindergarten hat. Ich werde weiter darüber berichten.

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