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Winnie Puuh oder wie mich meine gelbsüchtigen Babys in Panik versetzten

Wer ein bisschen auf der Seite von mir gelesen hat, weiß, dass mein Sohn 2015 als Sternenkind auf die Welt kam. Von daher ist jedem klar, dass ich natürlich der glücklichste Mensch der Welt war, als fast genau auf den Tag ein Jahr später meine Tochter kerngesund auf die Welt kam. Ich war sehr erleichtert, aber auch sehr müde. Und dann passierte Folgendes: Ich hörte das erste Mal das Wort Bilirubin. In den Tagen nach der Geburt wird dieser Wert immer wieder kontrolliert. Das geht mit einem Messgerät, dass auf der Haut im Gesicht des Kindes angelegt wird und anhand der Farbe misst, wie hoch der Bilirubinwert ist. Eine andere Methode ist Blutabnehmen. Da ist der Wert auch genauer feststellbar. Das lernten wir sehr schnell.

Mit unserer Anni wurde das Bilirubin nämlich schnell zum Thema. Etwa drei Tage nach der Geburt hieß es, der Wert sei grenzwertig. Ich weiß nicht mehr wie hoch. Aber er war nicht so hoch, dass wir in die Kinderklinik mussten, aber auch nicht so niedrig, dass er gut war. Wir bekamen die Auflage, nach der U2 und der Entlassung aus dem Krankenhaus am nächsten Tag wieder zur Kontrolle zu kommen. In der Zwischenzeit wurde unser Kind immer gelber. Ich war krank vor Sorge, hatte einen Migräneanfall nach dem anderen, lag im Wochenbett, wollte heulen und und und. Ich war so froh, Anni bei mir zu haben, aber ich hatte auch wahnsinnige Angst, sie wieder zu verlieren. Ich wusste ja, wie sich das anfühlt. Das hätte ich nicht ertragen.

Die Geburt wurde aus gesundheitlichen Gründen in der 37. Schwangerschaftswoche eingeleitet. Das heißt, Anni galt als Frühchen, wenn auch ein sehr spätes. Das war für mich eigentlich nie ein Thema, da sie mit 50 cm und 3500 Gramm so gar nicht wie ein Frühchen daherkam. Doch im Zuge der Gelbsucht wurde es zum Thema. Ihr Körper wollte einfach nicht mit dem Abbau des Bilirubins beginnen. Warum auch immer. Ich bin keine Medizinerin und ich werde jetzt auch nicht damit anfangen, Wikipedia-Artikel nachzuerzählen. Wer meinen Blog gefunden hat, der kann eine Suchmaschine bedienen und ist selbst im stande, die medizinischen Hintergründe der Neugeborenen-Gelbsucht zu recherchieren 😉

Unterm Strich geht es auch darum, wie fühlt es sich an, wenn man den Stress der Schwangerschaft und der Geburt durch hat und man denkt, jetzt kann ich im Wochenbett erst mal durchatmen und den neuen Menschen kennenlernen und dann zack: Man landet schon wieder im Krankenhaus. Denn in den Tagen nach der Entlassung sind wir regelmäßig ins Krankenhaus, um die Gelbsucht untersuchen zu lassen. Unser Kinderarzt konnte nur Blut abnehmen und hatte kein Messgerät. Und jeder weiß, bis die Werte aus dem Labor kommen, das dauert. Deshalb sind wir direkt nach Mannheim in die Kinderklinik gefahren. Dort konnten sie deutlich schneller einen zuverlässigen Wert bestimmen. In diesen Tagen versuchten wir außerdem wirklich alles, um den Wert runterzukriegen. Ich aß Blattpetersilie (das über die Muttermilch zu ihr übergehen sollte), gab ihr so viel zu trinken, wie in das Kind passte (dazu weckten wir sie auch oft) und gingen so viel möglich in die Sonne. Das alles sollte beim Bilirubin-Abbau helfen. Und der wurde langsam gefährlich hoch. Wir mussten schließlich die erste Nacht in der Klinik bleiben. Es ging es unter die Blaulicht-Lampe:

Anni unter Blaulicht

...und so sah es unter der Lampe aus

Es war furchtbar. Wobei ich zuerst einmal sagen muss: Die Kinderärzte und Kinderkrankenschwestern waren toll! Eigentlich ist es auf dieser Station nicht üblich, dass die Eltern bei den Kindern übernachten. Mir haben sie trotzdem ein Klappbett und meinem Mann einen bequemen Sessel ins Zimmer gestellt. Ich glaube, sie haben auch gemerkt, dass ich mein Kind unter keinen Umständen verlassen hätte 😉

Doch ich lag direkt unter einer Lüftung, was meine Migräne massiv verstärkte. Dazu mussten wir alle paar Stunden die Kleine wecken, von der Überwachung abnehmen (mit Hilfe der Schwestern), wickeln und füttern. Dann durften wir etwas mit ihr kuscheln. Danach musste sie wieder in das Bett, bekam eine Augenbinde und musste an die Überwachung. Für uns war das furchtbar, weil wir dieses Bild unter der blauen Lampe als schrecklich empfanden. Dazu wurde regelmäßig Blut an ihrem Fuß abgenommen, um zu schauen wie sich der Wert veränderte. Wir sagten uns immer wieder, dass alles gut wird. Ganz viele Kinder haben Neugeborenen-Sucht und wenn man den Ärzten glaubt, ist das wirklich gut behandelbar. Und meistens gibt sich das Problem auch recht schnell wieder. Wenn sich das Problem unbehandelt verschärft, kann es zu Hirnschäden führen. Und genau dieser Satz schwebte die ganze Zeit über uns: Hirnschäden!

Naja, jetzt muss man das aber auch so sehen, dass ich gerade ein Kind entbunden habe und meine Hormone verrückt spielten. Mein Mann war wie immer der Entspannte. Er war sehr zuversichtlich, dass sich das Problem bald lösen wird und wir ja in den besten Händen waren. Damit hatte er auch absolut recht, aber trotzdem schwebte die ganze Zeit das Wort Hirnschäden durch den Raum. Nach einer Nacht unter der Lampe, entließen uns die Ärzte vorläufig. Mit der Auflage, dass wir aber wieder zur Kontrolle kommen müssen. Und leider stellte sich heraus, nicht ohne Grund. Die Entlassung war etwas optimistisch. Zwei Tage später stieg der Wert wieder an und man konnte es auch sehen. Der Effekt der Blaulichtlampe ließ nach und Anni wurde wieder gelber im Gesicht und am Körper. Also wieder in die Kinderklinik und wieder unter die Lampe. Diesmal 48 Stunden. Und: Diesmal ging es gut. Danach wurde die Gelbfärbung Stück für Stück besser und endlich begann ihr Körper selbstständig das Bilirubin abzubauen.

Jetzt habe ich mehrfach betont, wie schrecklich diese Wochen nach der Geburt waren, weil ich eigentlich keine Ärzte und Krankenhäuser mehr sehen konnte und dann doch wieder ständig damit zu tun hatte. Auch für meinen Mann war es sicher keine schöne Erfahrung. Er nahm sich einen Monat Elternzeit, den er gar nicht wirklich genießen konnte. Doch unsere Hauptprotagonistin nahm das alles sehr gelassen. Gut, jetzt kann man argumentieren, dass "Bilirubinkinder" sehr müde und träge sind und deshalb die Behandlung oft klaglos ertragen. Aber wenn man Anni heute kennt, dann weiß man, dass sie echt hart im Nehmen ist. Und das war sie schon zwei Wochen nach der Geburt. Sie richtete sich unter der Lampe ein, versuchte sich ständig die Augenbinde zum Schutz vor dem Blaulicht abzuziehen und schlief. Zusammengefasst: Sie hat das ganze Prozedere deutlich besser verkraftet als ihre Eltern 😉

Der Vollständigkeit halber soll noch erwähnt sein, dass unsere Tochter Ella auch Neugeborenengelbsucht hatte. Doch sie kam eine Schwangerschaftswoche später auf die Welt und ihre Grenzwerte waren andere als bei Anni. Deshalb waren die Ärzte deutlich entspannter und es war auch nicht so schlimm wie bei Anni. Mit ihr mussten wir nicht ins Krankenhaus und mit ein bisschen Sonnenlicht haben wir das gut kuriert.

Es bleibt am Schluss zu sagen: Neugeborenengelbsucht ist in Deutschland meist nichts Schlimmes. Es ist in der Regel tatsächlich gut und schnell behandelbar. Also kein Grund zur Panik! Auch wenn ich die Panik in dieser Situation sehr gut nachvollziehen kann...

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