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Kein Haar in der Suppe, aber am Finger

Jeder kennt das Phänomen: Man liest diese Mama-Seiten auf Facebook mit vielen klugen Ratschlägen und denkt so bei sich, naja, das ist jetzt aber weit hergeholt. So ging es mir mit dem Thema Haare am Finger. Ja, richtig gelesen. Haare am Finger. Ich las einen Artikel, der sich darum drehte, dass sich Säuglinge Haare um die Gliedmaßen wickeln und sich damit die Blutzufuhr abdrücken. Ich dachte, die sind doch alle bekloppt. Wie bitte soll sich ein Säugling mit der Feinmotorik eines altersschwachen Maulwurfs ein feines Haar um seine Zehen oder Finger wickeln können? Das ist doch völlig unmöglich.

Doch ich irrte. Wie ich ein paar Wochen später am eigenen Leib erfahren musste. Das ist mal wieder echt eine Story der Marke: Unterschätze nie das Potenzial deiner Kinder. Es war an einem Sonntag im Mannheimer Luisenpark. Wir saßen sehr entspannt auf einer Bank im Indoor-Spielplatz, als ich bemerkte, dass der Ringfinger meiner etwa 3 Monate alten Tochter sehr geschwollen war. Naja, jetzt neigen Babys in diesem Alter nicht gerade zu zarten Gliedmaßen und meine Tochter hat zauberhaft süße speckige Fingerchen, aber das sah dann doch unnatürlich aus. Vor allem im Vergleich zu den anderen Fingern.

Zum Glück erinnerte ich mich sofort an diesen - zuvor noch als lächerlich abgetanen - Artikel auf Facebook. Ich versuchte ganz vorsichtig zu ertasten, ob irgendetwas das Blut in dem Finger abschnürte. Wobei ich sagen muss, blau war er nicht, nur sehr dick. Und tatsächlich konnte ich erfühlen, dass da etwas war, dass den Finger ganz unten abklemmte.

Jetzt muss ich einen kleinen Einschub machen. Ich besitze einen Wickelrucksack, der unserer familäres Überleben bei einer Katastrophe fast jeglichen Ausmaßes für mindestens drei Tage sichern würde. Früher war ich mit einer normalen Wickeltasche unterwegs. Doch mit zwei Kindern ist das nicht umsetzbar. Eines an der Hand, eines in der Babyschale, dazu noch eine Handtasche plus Wickeltasche. Man kann sich vorstellen, dass auch der breite Rücken einer Mama, der erfahrungsgemäß bis zum ersten Bandscheibenvorfall verdammt viel aushält, da echt an seine Grenzen gerät. Deshalb ist ein Wickelrucksack die perfekte Alternative. Es passt verdammt viel rein und vor allem: Er ist - wie der Name sagt 😉 - auf dem Rücken und man hat die Hände frei für alle Arten von dreckigen Tüchern, versabberten Kinderhänden, Essen, Trinken, Kleidung und Spielzeug, die einer Mutter im Sekundentakt ohne Ansage in die Hand gedrückt werden. Und in eben diesem Zauberrucksack auf dem Rücken befand sich: Tatata! Eine Nagelschere - zum Glück! Sonst hätten wir tatsächlich zu einem Arzt fahren müssen.

Wir nahmen unseren kleinen Zappelfinger jedenfalls in den Schraubstock, so dass sie sich ja keinen Zentimeter bewegen konnte und schnitten ganz vorsichtig das Haar ab. Es ging wirklich gut zu durchtrennen. Aber jedem der das liest sei gesagt, macht keine Experimente. Wenn ihr nicht sicher seid, geht sofort zu einem Arzt oder in eine Notaufnahme. Nicht, dass ihr eurem Baby in den Finger schneidet.

Relativ schnell normalisierte sich die Schwellung wieder und der Ringfinger war wieder zauberhaft speckig. Wir hatten wirklich Glück. Wie ich später erfuhr kann das auch anders ausgehen. Ich unterhielt mich mit einer Kinderkrankenschwester zu dem Thema. Sie hat eine zeitlang Babyschwimmkurse angeboten. Dort sah sie bei einem Jungen einen dicken bläulichen Zeh. Sie untersuchte das Kind und stellte auch bei ihm das "Haar-Phänomen" fest. Sie sah keine Möglichkeit das Haar selbst zu entfernen und schickte die Frau mit dem Kind ohne Umschweife zum Arzt, der das Haar dann professionell entfernte.

Was lernen wir nun daraus? Unterschätze niemals wozu dein Kind fähig ist und im Internet steht zwar verdammt viel Quatsch, aber manchmal steckt doch ein Quentchen Wahrheit drin. Die Frage, wie meine Tochter das mit dem Haar geschafft hast, ist mir übrigens nach wie vor ein Rätsel. Doch an eine Sache habe ich mich inzwischen gewöhnt, es gibt nicht auf jede Frage eine Antwort 😉

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